Page 30 - Taxikurier Dezember 2025 / Januar 2026
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STADTKUNDE MÜNCHEN

            ➔ VOM DORF ZUM GROSSEN STADTTEIL





           Thalkirchen: Eingemeindung am 1. Januar 1900 – Von Benedikt Weyerer



           Das Dorf Thalkirchen wurde am 1. Januar 1900 nach München eingemeindet. Wenige Jahre vorher beschrieb Karl von Rambaldi
           (1842–1922, Rambaldistraße von 1930) in seinem 1894 erschienenen Buch „Die Münchener Straßennamen und ihre Erklärung“
           den Verlauf der Thalkirchner Straße:


             „Beginnt an der Müllerstraße nächst   kirchen, das lang gezogen unten an der   und König Sigmund wider die Türken zo-
             dem Sendlinger-Tor-Vorplatz und zieht   Isar lag, auch die Ortsteile Maria Einsiedel   gen, aber in der unglücklichen Schlacht bei
             sich zwischen den südlichen Friedhöfen   und Hinterbrühl. Oberhalb des Hochufers   Nicopolis am 26. September 1396 geblie-
             und der Gasfabrik [an der Maistraße,   der Isar lagen die Gemeindeteile Prinz-   ben sind. Auf Grund der Ergebnisse der
             d.V.], dem Schlacht- und Viehhof ent-  Ludwigs-Höhe und Obersendling, dessen   neueren Forschung erhält jedoch die Grün-
             lang nach dem eine Stunde entfernten   Grenze zu München am Übergang der Mur-  dung der Kirche eine andere Erklärung. Man
             Thalkirchen.“                   nauer Straße in die Aidenbachstraße er-  fand eine Urkunde mit dem Datum 22. Juni
                                             kennbar bleibt. Der letzte Bürgermeister   1487, aus der hervorgeht, dass Graf Chris-
           Es gab noch eine zweite Möglichkeit, vom   hieß Eugen Gerbl (1847–1901, Gerblstraße   tian von Fraunberg allerdings als Erbauer
           Sendlinger Tor nach Thalkirchen zu gelan-  von 1927 und Gerblweg von 1965).  der Kirche zu betrachten ist, jedoch nicht
           gen: Die Staubstraße führte entlang der                             infolge der Flucht, die schon damals nach
           heutigen Pestalozzistraße (benannt 1896),                           Aussage  älterer Männer in den Bereich der
           Isartalstraße (1903) sowie der Schäftlarn-  Die Ortsteile: Thalkirchen  Sage gehörte. Später wohnte ein Eremit in
           straße (1893) dorthin. Rambaldi klärt auf:                          einem Anbau des Gotteshauses.“ Die Denk-
           „Zieht sich in südlicher Richtung nach   Thalkirchen wurde erstmals urkundlich im   malliste führt aus: „Im Kern um 1400 mit
           Thalkirchen. Die Benennung kommt aus   Jahr 1268 genannt und sein Name bedeu-  romanischen Resten, 1692 umgebaut,
           dem Volksmund und aus einer Zeit, in die   tet geografisch wenig verwunderlich „Kir-  1907 ⁄ 1908 von Gabriel von Seidl neuba-
           Verbindungen innerhalb des Stadtbezirkes   che im Tal“. Der alte Ortskern lag beim   rock erweitert, mit Ausstattung, ringsum
           noch nicht so sorgfältig unterhalten wur-  Wirtshaus „Alter Wirt“ an der Fraunberg-  der ehemalige Friedhof mit alter Mauer und
           den als heute.“ Die Grenze des Dorfes Thal-  straße 8, um die Dorfkirche, die der   alten Schmiedeeisenkreuzen.“ Eine Bemer-
           kirchen kann man heute noch am scheinbar     Heiligen Maria geweiht ist, am Fraunberg-  kung etwas abseits des Themas: Seidl lebte
           unmotivierten Übergang der Thalkirchner   platz 1,  sowie am Pfarrhaus am Fraunberg-  von 1848 bis 1913 und zwar an der Hasen-
           Straße in die Pognerstraße erkennen, bis   platz 5. Außerdem haben sich noch ein   straße. Weil ihm  diese Adresse zu lachhaft
           zur Eingemeindung hieß sie Kirchweg. Dort   ehemaliges Bauernhaus am Fraunberg-    erschien, ließ er sich vom Magistrat als Ge-
           befand sich auch die aussagekräftige Burg-  platz 6 und die alte Volksschule an der   schenk anlässlich seiner 60. Geburtstages
           friedenstraße, die kurz nach der Eingemein-  Münchner Straße 28 erhalten. Rambaldi er-  im Jahr 1908 die Umbenennung in Seidl-
           dung ihren heutigen Namen Matthias-   klärt die Entstehung der heutigen Kirche   straße bescheren.
           Mayer-Straße erhielt.             ausführlich, aber doch wissenswert, und
                                             verweist dabei auch auf die Herkunft der
                                             Bezeichnung „Fraunberg straße“: „(…) wel-  Die Ortsteile: Maria Einsiedel
           Gemeindebildung 1818              ches schon gegen Ende des 15. Jahrhun-
                                             derts ein bedeutenden Wallfahrtsort war,   Erstmals benannt 1725, bezieht sich der
           Nach der Erhebung Bayerns vom Kurfürs-  der an einer Stelle des hier besonders hüb-  Name des dortigen „Asam-Schlössl“ an der
           tentum zum Königreich am 1. Januar 1806   schen und weiten Isartales liegt. Eine
           wurde die Organisation des neuen Staates   Überlieferung erzählt, 1372 seien die Brü-
           effektiver gestaltet, indem das Gemein-  der Christian und Wilhelm von Fraunberg
           deedikt vom 17. Mai 1818 eine beschränk-  bei einer Fehde mit den Augsburgern von
           te Selbstverwaltung der Gemeinden unter   diesen verfolgt und bei Thalkirchen in die
           Aufsicht der Regierung von Oberbayern   Isar gedrängt worden. In dieser Gefahr hät-
           brachte – ähnlich der heutigen Kompetenz-  ten die Brüder gelobt, für den Fall ihrer
           verteilung. Nun gab es örtliche Gemeinde-  Rettung zu Thalkirchen ein Gotteshaus mit
           vorsteher und Gemeinderäte, begrenzt zu-  Kloster zu Ehren der seligsten Jungfrau
           ständig für die Finanzen, die Zulassung von     erbauen zu wollen. Den Bau der Kirche
           Gewerbe, das Volksschul- und Kirchenwesen   brachten sie zur Ausführung, der eines
           oder die Ortspolizei. Bei der Eingemein-  Klosters unterblieb, da sie nebst anderen
           dung am 1. Januar 1900 gehörten zu Thal-  bayerischen Rittern mit Pfalzgraf Ruprecht




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