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Prinz-Ludwig-Höhe an der Heilmannstra-
ße 6. Die Linie stellte ihren Personenbe-
trieb im Gemeindegebiet von Thalkirchen
im Jahr 1964 und den Güterverkehr endgül-
tig 1989 ein. Erhalten und als Bahnlinie
noch erkennbar bleibt die Trasse südlich
entlang der Maria-Einsiedel-Straße und auf
dem im Jahr 2003 benannten Isartalweg,
der der aufgelassenen Trasse folgt. Die offi-
zielle Erläuterung besagt: „Der Fuß- und
Radweg verläuft auf der ehemaligen Gleis-
trasse der Isartalbahn zwischen Isartal-
bahnhof und Wolfratshausen, die 1891 er-
öffnet und 1964 stillgelegt wurde.“ An der
Kreuzung des Weges mit der Josephinen- Gründe für die Eingemeindung
straße erklärt ein Schild: „Auf dieser Trasse
führte von 1891–1964 von Thalkirchen – Sowohl der Stadt München als auch der Ge-
zeitweise bis Kochel – eine Eisenbahnli- meinde Thalkirchen kam die Eingemeindung
nie.“ Einige Bauwerke sind noch vorhanden zugute, nachdem bereits – wie oben darge-
und stehen unter Denkmalschutz. Entlang von ihrer anstrengenden und gefährlichen stellt – gegenseitige Beziehungen bestan-
der Maria-Einsiedel-Straße steht das alte Arbeit erholen konnten. Die Denkmalliste den. Infolge des Bevölkerungswachstums
Betriebswerk mit der heutigen Adresse berichtet: „Neurenaissance-Villa mit zwei konnte Thalkirchen viele kommunale Aufga-
Isarwinkel. In der Denkmalliste liest man polygonalen Ecktürmen, um 1870 ⁄ 1875.“ ben nicht mehr allein bewältigen, bei-
dazu: „Ehemaliges Betriebswerk der Isartal- Die Flößergasse von 1949 liegt zwar etwas spielsweise den Schulhausbau, die Kanali-
bahn als Teil des Bahnhofes Thalkirchen, entfernt in Mittersendling, bezieht sich sation oder die Versorgung mit Elektrizität,
ab 1890 durch die Lokalbahn AG München aber trotzdem darauf: „Nach der bereits im bei der sie vollständig von Jakob Heilmann
errichtete Wartungs- und Deponieranlage 13. Jahrhundert bestehenden Zunft der abhängig war. Darüber hinaus hoffte man
mit Kraftzentrale; Bautengruppe in Sicht- Isarflößer.“ auf den Bau einer Brücke über die Isar, den
ziegelbauweise im Stil der Industriearchi- man selbst nicht stemmen konnte. Die Ver-
tektur des späten 19. Jahrhunderts.“ Dort bindung nach Harlaching wurde dann tat-
waren alle Lokomotiven, Güterwagen und Bäder sächlich bereits 1904 eröffnet. Und von
Personenwagen beheimatet, die auf der Seiten Münchens bestand ein wichtiges In-
Strecke verkehrten. Die erhalten gebliebe- Bereits im Jahr 1844 öffnete in Thalkirchen teresse daran, den Unternehmer Heilmann
nen Gebäude wurden von 2014 bis 2015 eine Kaltwasser-Heilanstalt ihre Pforten, mit seinen Eigenmächtigkeiten, die er sich
im Zuge einer Neugestaltung des Areals deren angeblich heilkräftiges Wasser dem im kleinen Thalkirchen leisten konnte,
saniert und sind gewerblich genutzt. Hochufer der Isar entsprang, ähnlich dem durch die Einbindung in die größere kom-
Bad Brunnthal in Bogenhausen. Im Jahr munale Einheit in seine Schranken zu wei-
1935 baute sie der Arzt Heinrich Müller zu sen. Denn er investierte und baute bereits
Zentrallände einem Krankenhaus um. Die Badstraße weist vor der Eingemeindung Thalkirchens in der
darauf hin. Heute noch in Betrieb ist das gesamten Stadt, beispielsweise die Villen-
Über Jahrhunderte hinweg lag die Haupt- Bad Maria Einsiedel, das die Gemeinde Thal- kolonie Gern seit 1892, das staatliche Hof-
anlegestelle Münchens für die Flößerei auf kirchen 1890 als Freibad am Werkkanal er- bräuhaus (1897) oder das Prinzregenten-
der Isar, eine der größten Floßländen Euro- baute und das seit 1891 mit der Isartalbahn theater (1900) – um nur einige wenige
pas, nahe der heutigen Altstadt im Lehel, von München aus bequem zu erreichen war. Projekte zu nennen.
worauf sich dort die traditionelle Benen-
nung der Ländstraße bezieht. Waren aller
Art wurden aus dem bayerischen Oberland
transportiert wie Getreide, Käse, Wein,
Tiere, Gips, Kalk oder Brenn- und Bauholz.
Mit dem Beginn des Eisenbahnwesens um
München seit 1839 verlagerte sich der
Schwerpunkt des Münchner Handels in den
Westen der Stadt. Lediglich die Flößerei
von Bauholz verblieb auf der Isar und für
diesen Zweck betrieb die Stadt München
von 1857 bis 1892 eine provisorische Län-
de und endgültig im Jahr 1899 die Zentral-
lände in Thalkirchen, deren Zugang über
den künstlichen Werkkanal erfolgte und
erfolgt, der von der Isar abzweigt. An der
Zentralländstraße 30 befindet sich die
Gaststätte Zentrallände, wo sich die Flößer
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