Page 23 - Taxikurier Dezember 2025 / Januar 2026
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➔ SILVESTER UND DAS GLÜCKSSCHWEIN




           Zu den Bräuchen zu Silvester gehört auch das Verschenken von kleinen Marzipanschweinen.
           Aber was hat das Schwein mit Glück und Silvester zu tun?


             Um diese Frage zu beantworten, muss   von Schweinefleisch verboten ist. Neuere   sein mühsam erspartes Kleingeld an, in
             man sich weit in die Kulturgeschichte   Forschung sieht allerdings in diesen Spei-    einem Sparschwein.
             unserer Hausschweine einlesen. Heute   sevorschriften für die Israeliten speisehygi-
             hat das Schwein nicht gerade den bes-  enische Gründe, die dem Klima geschuldet   Gerade in Hungerzeiten wie nach den Welt-
             ten Ruf, obwohl sich immer mehr Men-  waren.                      kriegen des 20. Jahrhunderts, wurden
             schen auf die Qualitäten der Schweine                             Schweine mit Gold, Teppichen, Schmuck
             besinnen. Sowohl als Haustier als auch   Das Wildschwein steht im Christentum für   oder anderen Wertsachen aufgewogen. Sie
             als Nutztier macht das Schwein wieder   den Teufel, für Leidenschaft und auch für   brachten den Besitzern nicht nur Reichtum,
             Karriere. Die hochintelligenten Tiere   Verwüstung. Die christliche Tradition des   sondern auch die Sicherheit, nicht hungern
             sind, vor allem in ihrer Zwergform, lie-  Mittelalters mit einer bigotten Sexualmoral   zu müssen, zumal praktisch alle Teile des
             benswerte Hausgenossen, die als Alter-  verteufelte viele Tiere, die durch besondere   Tieres verarbeitet werden können. Kein
             native für Hund und Katze von allergie-  Fruchtbarkeit von sich Reden machten,    Nutztier ist wahrscheinlich so nachhaltig
             geplagten Menschen auserkoren wurden.   wie z. B. Schweine und Hasen. Wenn der   wie das Schwein, wenn es artgerecht ge-
             Nachdem in der Nutztierhaltung die   Hase dann aber „Ostereier“ legt, kann er   halten wird.
             Schweine wieder artgerecht ihr Leben   das Negativimage wieder loswerden und als
             leben können, ist auch das meiste   Ostersymbol herhalten. Der Mensch nimmt   Dieses ambivalente Verhältnis des Men-
             Schweinefleisch das negative Billig-  es eben so, wie er es gerade braucht.  schen zum Schwein zeigt sich eben auch
             fleischimage los.                                                 an Silvester. Einerseits wird es als Glücks-
                                             Trotzdem haben Schweine im Christentum   bringer in Marzipanform verschenkt, oft
                                             einen eigenen Heiligen. Der heilige Antoni-    gemeinsam mit Kleeblättern oder Schorn-
                                             us, Patron der Haustiere, wurde ein Leben   steinfegerfiguren, andererseits steht
                                             lang von einem Schwein begleitet, von   bereits einige Tage später der Schweinsbra-
                                               einem „Glücksschwein“ sozusagen.  ten auf dem Tisch und wir verspeisen die
                                                                               Glücksbringer ohne schlechtes Gewissen.
                                             Im Mittelalter war die Beziehung zum
                                             Schwein zwiespältig, aber man besann sich   Wir wünschen guten Appetit und ganz viel
                                             schnell auf die Vorteile, die die Haltung   Schwein für 2026!
                                             dieser Tiere mit sich brachte. Wer ein klei-
                                             nes Ferkel besaß, konnte ohne finanziellen
                                             Aufwand in relativ kurzer Zeit daraus ein
                                             beachtliches Schwein haben. Auf dem Land
           Aber warum nun „Glücksschwein“?   wurden die Hausschweine einfach in die
                                             Wälder getrieben, wo sie sich selbst über-
           Die Germanen schätzten das Wildschwein   lassen waren und sich mit Früchten und
           als Sinnbild von Kraft und Fruchtbarkeit,     Eicheln selbst den Speck anfraßen. In den
           was sie nicht davon abhielt, das Wild-  Städten sorgten freilaufende Schweine
           schwein zu jagen.                   wenigstens etwas für weniger Abfall auf
                                             den Straßen, denn sie ernährten sich von
           Griechen und Römer hatten bereits das   den Essensresten und Abfällen, die einfach
           Schwein als Nutztier für sich entdeckt.    auf die Straßen geworfen wurden.
           Es galt als nützlich und war Zeichen von
           Wohlstand und Reichtum. Wer über viel   Eine beachtliche Wertsteigerung für seinen
           „Schwein" verfügte, gehörte meist zu den   Besitzer war so ein Schwein, ohne großen
           oberen Gesellschaftsschichten.    Aufwand und Einsatz, also leicht verdientes
                                             Geld. Wenn solch hoher Zinssatz kein Glück
           Die christliche Tradition ist von einer nega-  ist!
           tiven Einstellung gegenüber dem Borsten-
           vieh geprägt. Hier symbolisieren Schweine   Im Mittelalter erhielten wandernde Studen-
           Schmutz, Gefräßigkeit, Unwissenheit und   ten als Lohn für Hilfe auf Bauernhöfen oft
           Egoismus.                         ein Ferkel, verbunden mit guten Wünschen.

           Der Ursprung ist wahrscheinlich im Alten   Und weil also ein Schwein so eine gute
           Testament zu suchen, wo das Schwein als     Investition ist, ein Symbol des Wohlstands
           unreines Tier verortet wird und der Verzehr   und der Fülle, vertraute man ihm sogar




                                                                            DEZEMBER 2025 ⁄ JANUAR 2026 ⁄ TAXIKURIER ⁄ 23
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