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Taxikurier Oktober und November 2026Seite 35
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befand und dessen bekanntestes Werk die trialisierung seit dem 19. Jahrhundert ➔ Singstraße, wie die folgenden 1825
Kolossalstatue der Bavaria ist, gegossen suchten die Brauereien neue Standorte- benannt, im Jahr 1860 zur Schiller-
von 1844 bis 1850 in der Erzgießerei Ferdi- außerhalb ihrer innerstädtischen Standorte. straße (1759–1805), von Rambaldi
nand von Miller und dann 1850 auf der So zog die Hackerbrauerei 1865 in einen erklärt mit: „Neben Goethe bisher
Theresienhöhe aufgestellt. Das sich west- Neubau am Ende der Bayerstraße und gab Deutschlands größter Dichter. Beide
lich anschließende Gebiet, ebenfalls zum im Jahr 1890 der neuen Hackerbrücke ihren haben im 19. Jahrhundert durch ihre
Burgfrieden gehörig, erhielt in Verlänge- Namen. Ebenso zog der Pschorrbräu 1877 vorzüglichen Schriften den deutschen
rung der Straße 1873 den Namen Schwant- auf das benachbarte, stadteinwärtige Geist bei allen übrigen Kulturvölkern
haler-„höhe“, weil es sich erhöht auf dem Grundstück. Auf ihn bezieht sich seit 1932 zu höchstem Ansehen gebracht.“
eiszeitlichen Ufer der Isar ausdehnte. die Matthias-Pschorr-Straße, die das Fest-
gelände zwischen dem Esperantoplatz und ➔ Die Goethestraße (1749–1832) wurde
der Bavaria durchquert. Auf den beiden 1865 neu angelegt: „Johann Wolfgang
Lokale Bezüge: Standorten befindet sich jetzt das Europä- von Goethe, einer der größten Dichter
Bavariaring und Bavariastraße ische Patentamt. und Denker aller Zeiten.“
König Ludwig I. verfolgte die Idee, seinem ➔ Spatzenstraße 1876 zur Zollstaße
Königreich eine Symbolfigur zu geben, Lokaler Bezug auf Theresienwiese wegen des dortigen Hauptzollamtes
ähnlich der Marianne für Frankreich, der und Veredelung [1874–1912].
Germania für Deutschland oder der 1886
errichtete Freiheitsstatue vor New York, Von der Lerchenstraße, die 1850 zur ➔ Angerweg von 1864, ein alter Name
ein Geschenk Frankreichs an die USA: die Schwanthalerstraße veredelt wurde, war für eine Wiese und seit 1886 Sankt-
Bavaria, das lateinische Wort für Bayern. bereits oben die Rede. Die Ludwigsvorstadt Paul-Straße und Sankt-Pauls-Platz.
Ludwigs Ehrgeiz drückte sich auch in seiner gehörte zu den Vorstädten des beginnen- Die neu erbaute Kirche war Ausdruck
Absichtserklärung aus: „Ich will aus Mün- den 19. Jahrhunderts, auf deren Gelände des starken Zuzuges in diese Gegend.
chen eine Stadt machen, die Teutschland von Anfang an die Straßen nach geometri-
so zur Ehre gereichen soll, dass keiner schen Mustern geplant und angelegt wur- ➔ Kleestraße: „Zunächst der Theresien-
Teutschland kennt, wenn er nicht München den, ähnlich der Maxvorstadt oder der wiese und wird die Ausmündung dersel-
gesehen hat.” Und so gelangte die 18 Me- Isarvorstadt. Die Nähe des 1839 eröffneten ben auf die Wiese den Namen veranlasst
ter hohe Kolossal-Statue der Bavaria 1850 Bahnhofes führte – wie in vielen anderen haben.“ 1905 zur Hermann-Lingg-Straße
zur Aufstellung, deren Größe nochmals Städten auch – dazu, dass sich hier finan- (1820–1905), damals ein bekannter
optisch gesteigert wurde durch ihre Lage ziell besser gestellte Kreise ansiedelten, Schriftsteller.
auf dem Hochufer. Dem zusätzlichen Ruhm die entweder neu nach München kamen
Bayerns diente die 1853 fertig gestellte oder es sich leisten konnten, der unhy- ➔ Heustraße: „Die Ausmündung dersel -
Ruhmeshalle gleich hinter der Bavaria mit gienischen Enge der Altstadt zu entfliehen. ben auf die Theresienwiese veranlasste
den Köpfen verdienter Bayern und seit Es entstanden repräsentative Geschäfts- und den Namen.“ 1905 zur Paul-Heyse-
1997 auch Bayerinnen. Zum Oktoberfest Wohngebäude, deren Einwohnerschaft nach Straße, doch dazu gleich Näheres.
des Jahres 1850, welches das 25. Regie- „guten“ Adressen strebte. Anfangs bezogen
rungsjahr Ludwigs gewesen wäre, fand die sich allerdings viele Straßennamen auf die ➔ Der nördliche Teil des Bavariaringes
festliche Enthüllung der Bavaria statt. Theresienwiese als Freifläche am Rand der behielt bis 1909 seinen Namen Renn-
Als eines der Wahrzeichen Münchens ist sie Stadt wie eben die Lerchenstraße. Mit dem bahnstraße und wurde dann zur Martin-
ein beliebtes Fotomotiv für Münchner und Jahr 1829 begann die Veredelung, und Greif-Straße (1839–1911), auch er
Touristen, insbesondere während des zwar mit der Mathildenstraße nach König ein heute vergessener Dichter.
Oktoberfestes: Bayern, wie es leibt und Ludwigs I. ältester Tochter Mathilde (1813–
lebt. Die Rennbahnstraße von 1825 bezog 1862), die damit im Alter von 16 Jahren Es können hier aus Platzgründen bei wei-
sich auf das alljährliche Pferderennen, bis ihre eigene Straße erhielt. Davor war dieser tem nicht sämtliche der als edel em pfun -
dann das Jahr 1886 den Bavariaring brach- Verkehrsweg in die Findlingstraße einbezo- denen Adressen aufgeführt werden, viel-
te, dessen gebogener Verlauf den geboge- gen, benannt nach dem dortigen, 1808 leicht noch der vornehme Kaiser-Ludwig-
nen Verlauf der Pferderennbahn nachzeich- errichteten Waisenhaus. Und aus der Find- Platz mit seinem imposanten Denkmal
net. Ebenfalls 1886 wurde die kleinere lingstraße wurde 1901 die Pettenkoferstra- nach dem Herrscher, der von 1282 bis
Bavariastraße benannt. ße, nach Max von Pettenkofer (1818–1901), 1347 lebte und vom Alten Hof in München
dem Pionier der Trinkwasserversorgung und aus seit 1314 das Heilige Römische Reich
der Kanalisation. An solchen Adressen lebte Deutscher Nation regierte.
Lokale Bezüge: Brauereien man lieber als an anderen, beispielsweise
dem ländlichen klingenden Rindermarkt,
Infolge der wachsenden Stadt mit ihrer zu- mit dem man üble Gerüche verband. Hier
nehmenden Bevölkerung sowie der Indus- nun die Entwicklung der Benennungen:
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