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Taxikurier Oktober und November 2026Seite 34
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STADTKUNDE MÜNCHEN
VON DER WIESE ZUR WIESN
Straßennamen rund um die Theresienwiese – Von Benedikt Weyerer
Das erste Oktoberfest fand am 12. Oktober 1810 anlässlich der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig,
von 1825 bis 1848 König Ludwig I. (1786 – 1868), mit Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792 – 1854) statt.
Angesichts Ludwigs späteren außerehelichen Verhaltens sollte man wohl weniger „mit“, sondern vielmehr
„gegen“ Therese sagen, doch das nur am Rande.
Ludwigsvorstadt und Theresienwiese Lokale Bezüge: Bayerstraße
Das Gelände der Ludwigsvorstadt gehörte Die Landstraße bis zur Erhebung des Hoch-
zum Burgfrieden, der vor der mittelalter- ufers der Isar erhielt anlässlich des Festes
lichen Stadt lag, aber politisch zu ihr den Namen Bayerstraße, davor hatte sie
gehörte und deshalb nicht eingemeindet Pasinger Straße geheißen. Trotz des uner-
werden musste. Sie trägt ihren Namen offi- klärlicherweise fehlenden „n“ sollte die
ziell seit 1804 und verdankt ihre Entste- Straße als Weg aus der Stadt zum Festge-
hung dem starken Bevölkerungswachstum lände die neue Einheit aller Bayern in ih-
über die mittelalterlichen Stadtmauern rem Namen tragen. Denn 1806 war Bayern
hinaus, dem heutigen Altstadtring, und vom Kurfürstentum zum Königreich auf-
ist nach Kronprinz Ludwig benannt. gestiegen und verzeichnete dabei den
enormen Zuwachs von 144 Prozent an
Anfangs hauptsächlich aus Wiesengründen Fläche in Schwaben und Franken sowie
bestehend, verweist der Name Landwehr- 142 Prozent an Bevölkerung hauptsächlich
straße von 1829 indirekt darauf. Karl Graf protestantischen Glaubens, während der
von Rambaldi (1842–1922, Rambaldistraße Katholizismus weiterhin Staatsreligion
Unser Kollege, der Lohnkutscher Franz von 1930) schreibt in seinem Standardwerk blieb. Ein Ausdruck dieses Zuwachses war
Baumgartner (1761–1831), schlug da- „Die Münchener Straßennamen und ihre die Hochzeit der beiden künftigen Herr-
mals vor, die Feierlichkeiten mit einem Erklärung“ von 1894: „Der Name leitet sich scher, denn Ludwig war Katholik und The-
Festzug sowie Pferderennen in der von einem großen Wiesenstück ab.“ Die rese Protestantin. Das heutige Oktoberfest
Öffentlichkeit zu krönen, an welchem er Landwehr, eine Bürgerwehr zur Abwehr sollte als nationales Fest das Zusammen-
selbst teilnahm und auch als Sieger vom innerer und äußerer Feinde der Stadt, der wachsen von katholischem Altbayern und
Platz ging. Damit gilt er als Gründer des alle Männer vom 28. bis zum 32. Lebens- den neuen Landesteilen symbolisieren und
Oktoberfestes und erhielt im Jahr 1896 jahr angehörten, unterhielt dort ihr befördern.
die nahe Baumgartnerstraße als Ehrung. Übungsgelände. Und auf diesen Wiesen-
Zur Erinnerung an die Hochzeit be- gründen gab es genug und insbesondere
schloss man die alljährliche Wiederho- stadtnahen Platz für die Feierlichkeiten Lokale Bezüge: Schwanthalerstraße
lung der Feierlichkeiten, deren Umfang und der Name Theresienwiese oder kurz
stets zunahm und die lediglich während Wiesn besteht bereits seit 1810. Neben der Bayerstraße gab es eine zweite
Zeiten von Kriegen und extremer Not Zufahrts-Straße zur Theresienwiese, seit
nicht stattfanden. Der Beginn der Wiesn Die Theresienstraße erinnert seit 1812 an 1825 Lerchenstraße genannt, zu der Ram-
wurde wegen ihres Erfolges aus Gründen die neue bayerische Prinzessin. Der west- baldi erklärt: „In poetischer Erinnerung
des Wetters 1872 auf die zweite Hälfte liche Rand des eiszeitlichen Urstromtales an den Vogelgesang, der von den duften-
des Septembers vorverlegt und das Fest der Isar trug den aussagekräftigen Namen den Klee- und Heuhaufen der nahen Wiesen
dauerte nun zwei Wochen. Der Name Bergstraße und erhielt 1879 ihre jetzige zu guter Jahreszeit in die Lüfte stieg.“
„Oktoberfest“ bleib aber aus Tradition Bezeichnung Theresienhöhe. Weltweite Zu weiteren Bezügen auf die damals noch
beibehalten, was bei vielen Besuchern Bekanntheit erlangte der steile Abhang unbebauten Freiflächen aber später. Das
für Erstaunen sorgt. inzwischen als trostloser Ausdruck für Jahr 1850 brachte die Umbenennung und
übermäßigen Bierkonsum und ekelig-faszi- Veredelung in Schwanthalerstraße nach
nierender Kotzhügel, auf dem man selbst dem Bildhauer Ludwig von Schwanthaler
bei trockenem Wetter leicht ausrutschen (1802-1848), dessen Atelier sich am heu-
kann. tigen Standort des Deutschen Theaters
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