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Taxikurier Oktober und November 2026Seite 36

Archivierte Ausgabe. Angaben beziehen sich auf den Erscheinungszeitpunkt.

Originalseite 36 der Ausgabe Taxikurier Oktober und November 2026
Originalseite 36
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Paul-Heyse-Straße                 Schwanthalerhöhe                  Esperantoplatz
           Lediglich die Entstehung des Namens   Westlich der Ludwigsvorstadt, auf der an-  Bei den Straßen- und Platzbenennungen
           Paul-Heyse-Straße sei näher beleuchtet.   deren Seite der Theresienhöhe, lag eben-  um die Wiesn herum nimmt der Esperanto-
           Bis 1905 die ländliche Heustraße, war die-  falls innerhalb des Burgfriedens die 1873   platz eine besondere Rolle ein. Im Proto-
           ser Verkehrsweg für etwas Besseres vorge-  benannte Schwanthalerhöhe. Mit ihrem   koll des Stadtrates vom 3. Juli 1951 liest
           sehen. Anfang des Jahres 1905 befasste   geometrischen Straßenverlauf gehörte sie   man: „Im August dieses Jahres findet in
           sich der Magistrat mit der Idee, anlässlich   erkennbar zu den Neubauvierteln der Stadt,   München ein Weltkongress der Esperantis-
           des 75sten Geburtstags des Schriftstellers   allerdings waren hier die Verhältnisse   ten statt. Das Kongresskomitee hat gebe-
           die Heustraße zu veredeln und in Paul-Hey-  grundlegend andere als in der Ludwigsvor-  ten, aus diesem Anlass einen Platz in
           se-Straße umzubenennen. Der damals hoch   stadt. Wie dort, stammten viele der neuen     München nach der Welthilfssprache zu
           geehrte Heyse lebte noch, und zwar von   Bewohner von außerhalb Münchens und die   benennen. Das Wiederaufbaureferat hält
           1830 bis 1914, und sollte 1910 sogar den   Schwanthalerhöhe entwickelte sich zu ei-  die Platzerweiterung beim Zusammenfluss
           Nobelpreis für Literatur erhalten. Insofern   nem dicht bebauten, schmucklosen Arbei-  der Kobell-, Mozart- und Schubertstraße
           passte die Umbenennung gut in diese   terviertel, in dem lediglich die Gebäude mit  zum Bavariaring hierfür geeignet, zumal
             Gegend, auch wenn der Schriftsteller heut-  dem attraktiven Blick auf die Theresienwie-  hier keine Anwesen umzunummerieren
           zutage praktisch vergessen ist. Im Ent-  se von finanziell besser Gestellten bewohnt   sind. Nach einem Gutachten von Prof.
           schluss des Magistrates hieß es: „(…) dass   wurden und daher ein gehobenes Äußeres   Dr. Held (1885–1954, Direktor der Stadt-
           diese Straße zur Zeit einen völlig inhalt-  erhielten. Die Arbeiterschaft tendierte in-  bibliothek, Heldstraße von 1955) konnte
           losen Namen führt, der auf die Dauer nicht   folge ihrer Unterdrückung und Armut poli-  sich unter den zahlreichen Versuchen allein
           beibehalten werden kann, dass derselben   tisch nach links zum angeblich gottlosen   die Esperantohilfssprache durchsetzen,
           eine besondere Verkehrsbedeutung zu-  Sozialismus und daher wählte der Magistrat     sodass die Benennung eines öffentlichen
           kommt und ihr Charakter immerhin demje-  der Königlichen Haupt- und Residenzstadt   Platzes zur Förderung dieser Bestrebungen
           nigen der vornehmen Herzog-Heinrich-   München für sie im Jahr 1877 patriotisch   wohl vertreten werden kann.“ Diese Sit-
           Straße [dem Gründer Münchens 1158],   aufgeladene Straßennamen für ihr Viertel   zung genehmigte den Esperantoplatz mit
           deren Fortsetzung sie bildet, gleichkommt,   aus. Auf diese Weise sollten die Proletarier   der Erklärung: „Dr. Ludwik Zamenhof, gebo-
           anderseits die Erwägung, dass die Heustra-  auf Schritt und Tritt an eine glorreiche   ren 15. Dezember 1859 in Bialystok, ge-
           ße neben der Goethe- und Schillerstraße     Vergangenheit erinnert werden, die für die   storben 14. April 1917 in Warschau, Polen,
           die wichtigste Verbindung zwischen der   große Mehrheit der Bevölkerung aber nie   Pseudonym Doktoro Esperanto (deutsch:
           Bayer- und der Pettenkoferstraße darstellt,   existiert hatte und für sie selbst erst recht   Doktor Hoffender), Augenarzt und Erfinder
           dass dieselbe sich demnach eben wegen   nicht.                      der Hilfssprache Esperanto.“ Worum ging
           dieser Nachbarschaft in hervorragendem                              es? Der 26. Esperanto-Weltkongress fand
           Maße dazu eignet, künftig den Namen   Einige Beispiele seien genannt:   mit 2.040 Teilnehmern vom 4. bis zum
             eines Dichters zu tragen, der sich in der                         7. August 1951 in München statt, oder auf
           gesamten gebildeten Welt der größten   Die Ganghoferstraße ist benannt nach Jörg   Esperanto ausgedrückt: „Universala Kongre-
             Achtung und Verehrung erfreut.“ Auf diese   von Halsbach, genannt Ganghofer (gestor-  so en Munkeno“. Ausrichter der jährlichen
           Entscheidung hin bedankten sich etliche   ben 1488), dem Architekten des Alten   Zusammenkünfte war der Esperanto-Welt-
           Anwohner der Heustraße: „Die Umbenen-    Rathauses und der Frauenkirche, also der   bund („Universala Esperanto-Asocio“) zu-
           nung der Heustraße hat die Bürgerschaft,   beiden Prunkgebäude der herrschenden   sammen mit dem jeweiligen Ortsausschuss.
           insbesondere aber die Hausbesitzer & Be-  Schichten der Patrizier und der katholi-  Was war der geschichtliche Hintergrund
           wohner der Heustraße, mit außerordentli-  schen Kirche. Oder die Tulbeckstraße nach   dieser künstlichen Sprache? In Zamenhofs
           cher Freude & Ehre erfüllt. Es ist uns wohl-  einer Münchner Patrizierfamilie des 13. bis   Geburtsort, der ebenso wie die Stadt seines
           bekannt, dass Sie in richtiger Erkenntnis   16. Jahrhunderts, zu der Rambaldi weiß:   Todes damals noch bis 1919 zu Russland
           der Verhältnisse & in idealer Verbindung   „Dieses Geschlecht ist uns besonders merk-  gehörte, lebten verschiedene Bevölke-
           mit den bereits bestehenden Straßennamen  würdig durch einen Mann, der sich zu   rungsgruppen mit ihren eigenen Sprachen.
           zu Ehren berühmter deutscher Dichter diese   hohen kirchlichen Würden aufschwang,   Zamenhofs Idee war, dass eine gemeinsa-
           Umbenennung beantragten. Wir erlauben     Johann Tulbeck.“ Oder die Gollierstraße   me, künstliche Zweitsprache die Verstän-
           uns daher, Ihnen unseren ergebensten auf-  ebenfalls nach einer Familie von Patriziern   digung fördern und das gegenseitige Miss-
           richtigsten Dank zum Ausdruck zu bringen   aus dem 13. und 14. Jahrhundert: „Das   trauen zwischen diesen Gruppen verringern
           mit der Bitte, unseren Stadtteil auch fer-  mächtige Geschlecht zeichnete sich unter   würde. Im Jahr 1887 veröffentlichte Za-
           nerhin Ihr hochgeschätztes Wohlwollen   den eingeborenen Patrizierfamilien beson-  menhof eine Broschüre mit den Grundlagen
             angedeihen zu lassen.“ Am 21. November   ders durch Religiosität und Reichtum aus.“   und Zielen seiner Sprache: „1. Die Sprache
           1905 erfuhr schließlich der Magistrat die   Also: Während sich die Bewohner der Lud-  muss sehr leicht sein, so dass sie jeder so-
           Bestätigung: „Allerhöchst genehmigt mit   wigsvorstadt – wie im Fall der Heustraße –   zusagen spielend erlernen kann. 2. Jeder,
           Entschließung des königlichen Staats-   um gute Adressen bemühten, bekamen die   der diese Sprache erlernt hat, muss sie
           Ministeriums des Innern.“         Unterschichten solche aufgebrummt.    sofort zum Verkehr mit anderen Nationali-

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