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Taxikurier Oktober und November 2026Seite 26
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Der Konflikt zwischen Genossenschaft Einzelunternehmer und Mehrwagen- Die Verantwortung für die Auswahl, Einwei-
und Unternehmen betriebe haben unterschiedliche sung und Kontrolle des Fahrpersonals darf
Interessen nicht allein auf die Vermittlungszentrale
verlagert werden.
Für die Verantwortlichen einer Hinter dieser Diskussion steht auch ein
Genossenschaft ist diese Frage allgemeiner Interessenkonflikt zwischen
besonders schwierig. unterschiedlichen Unternehmensformen. Qualität beginnt im Taxiunternehmen
Ein selbstfahrender Einzelunternehmer
Die Genossenschaft gehört ihren Mit- sitzt in der Regel selbst in seinem Taxi. Die Vermittlungszentrale kann Regeln
gliedern. Sie muss die wirtschaftlichen Er steht unmittelbar mit seinem Namen aufstellen, Schulungen durchführen und
Interessen der angeschlossenen Taxi- und seiner Person für die Qualität seiner Beschwerden bearbeiten. Sie kann aber
unternehmen berücksichtigen. Gleich- Arbeit ein. Er erlebt die Reaktion seiner nicht jede einzelne Fahrt begleiten. Die
zeitig trägt sie Verantwortung für das Stammkunden direkt und weiß, dass ein tägliche Verantwortung beginnt deshalb
gemeinsame Vermittlungssystem, für die guter persönlicher Ruf ein wichtiger Teil im Taxiunternehmen selbst.
Marke und für die Qualität, die dem seiner wirtschaftlichen Grundlage ist.
Fahrgast versprochen wird. Ein einzel- Der Unternehmer muss sich fragen, wen
nes Taxi unternehmen kann in erster Ein Mehrwagenunternehmen steht vor an- er mit seinem Fahrzeug auf die Straße
Linie auf die Auslastung seiner eigenen deren Aufgaben. Es muss mehrere Fahrzeu- schickt. Er muss neue Fahrer einweisen,
Fahrzeuge schauen. Die Genossenschaft ge organisieren, Fahrer finden, Dienstpläne ihre Arbeit beobachten und bei Problemen
muss zusätzlich beurteilen, welche Aus- erstellen und eine möglichst gute Auslas- reagieren. Er muss darauf achten, dass das
wirkungen eine Entscheidung auf alle tung erreichen. Der Unternehmer kann Fahrzeug sauber und technisch in Ordnung
Mitglieder und auf die gesamte Kund- nicht bei jeder Fahrt persönlich dabei sein. ist. Er muss dafür sorgen, dass gesetzliche
schaft hat. Ein Unternehmen möchte Er ist darauf angewiesen, dass seine Mitar- Vorschriften, Tarifregeln und betriebliche
einen neuen Fahrer vielleicht möglichst beiter die erforderliche Qualität zuverlässig Qualitätsstandards eingehalten werden.
schnell einsetzen. Die Genossenschaft umsetzen. Daraus können unterschiedliche Es reicht nicht, einem neuen Mitarbeiter
muss dagegen fragen, ob dieser Fahrer Erwartungen an die Zugangsvoraussetzun- einen Fahrzeugschlüssel und den Zugang
ausreichend vorbereitet ist, um Aufträge gen entstehen. Ein Betrieb mit mehreren zum Vermittlungssystem zu geben. Neue
unter ihrem Namen zuverlässig auszu- unbesetzten Fahrzeugen verspürt einen Fahrer brauchen Ansprechpartner. Sie müs-
führen. größeren Druck, neues Fahrpersonal schnell sen Fragen stellen können und eine ehrli-
einzusetzen. Ein selbstfahrender Unterneh- che Rückmeldung erhalten. Fehler werden
Daraus entstehen regelmäßig Spannungen. mer kann eine Absenkung der Anforderun- gerade am Anfang vorkommen. Entschei-
Die Verantwortlichen der Genossenschaft gen dagegen als Gefahr für den gemeinsa- dend ist, ob daraus gelernt wird und ob
werden dann möglicherweise als zu streng men Ruf ansehen, den er täglich durch der Unternehmer bereit ist, die notwendige
oder zu langsam wahrgenommen. Tatsäch- seine eigene Arbeit mit aufbaut. Dieser Unterstützung zu leisten.
lich müssen sie aber das gemeinsame Inte- Gegensatz darf nicht dazu führen, Einzel-
resse aller Beteiligten schützen. Eine unternehmer und Mehrwagenbetriebe ge-
Genossenschaft darf nicht nur die Zahl der geneinander auszuspielen. Beide Unter- Die Verantwortung für Qualität
angeschlossenen Fahrzeuge oder Fahrer nehmensformen gehören zum Taxigewerbe kann nur gemeinsam getragen werden:
betrachten. Sie muss auch auf die Zahl der und werden für eine flächendeckende
Fahrgäste und auf deren Zufriedenheit ach- Versorgung gebraucht. ➔ Der Staat muss einen verlässlichen
ten. Wenn ein schlecht vorbereiteter Fahrer rechtlichen Rahmen schaffen.
einen Kunden verliert, betrifft das nicht Mehrwagenbetriebe sichern wichtige Kapa-
nur das Unternehmen, zu dem dieses Fahr- zitäten und können umfangreiche Betriebs- ➔ Die Unternehmen müssen ihr Fahrperso-
zeug gehört. Der Kunde kann sich vollstän- zeiten abdecken. Einzelunternehmer brin- nal sorgfältig auswählen und einarbeiten.
dig vom Taxi abwenden. Der Schaden trifft gen häufig eine starke persönliche Bindung
dann alle angeschlossenen Unternehmen. an ihre Kunden und an das örtliche Gewer- ➔ Die Vermittlungszentralen müssen klare
Die Genossenschaft muss deshalb den Mut be ein. Beide Seiten haben berechtigte In- Standards festlegen und deren Einhal-
haben, notwendige Anforderungen auf- teressen. Trotzdem muss eine gemeinsame tung kontrollieren.
rechtzuerhalten – auch wenn dies im Ein- Grenze gelten: Der wirtschaftliche Druck
zelfall unbequem ist. eines einzelnen Betriebs darf nicht dazu ➔ Das Fahrpersonal muss bereit sein, zu
führen, dass die Qualitätsanforderungen lernen und die Regeln anzunehmen.
der gesamten Vermittlungsgemeinschaft
abgesenkt werden. Je größer ein Unterneh- ➔ Die Berufsverbände müssen sich für fai-
men ist und je mehr Fahrpersonal es be- re Wettbewerbsbedingungen und sinn-
schäftigt, desto wichtiger wird sogar eine volle Qualifikationsvorgaben einsetzen.
klare innerbetriebliche Qualitätssicherung.
26 ⁄ TAXIKURIER ⁄ OKTOBER ⁄ NOVEMBER 2026