Page 27 - Taxikurier April und Mai 2026
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Gedächtnis der kommenden Generationen
           durch eine Welzenbach-, Ulrich-Wieland-,
           Alfred-Drexel-Straße und einen Merklplatz
           erhalten wird. München als die Hauptstadt
           des Alpinismus verkündet auch durch neue
           Straßennamen seine Verbundenheit mit der
           Bergwelt und ihren Erschließern.“ Und der
           linientreue Alpenverein bedankte sich am
           15. November 1934: „(…) erblickt in die-
           sem Beschluss des Stadtrates die enge
             Verbundenheit der Stadt München mit dem
           Alpinismus, der dort eine mächtige Ent-
           wicklung genommen hat und mit dem
           Deutschen und Österreichischen Alpen-
           verein, dem Träger dieser großen, alle
           Deutschen umfassenden völkischen und
           kulturell bedeutsamen Vereinigung.“


           Gedenkstein Lilienthalallee 29
           in Freimann
           Alfred Drexel hatte im Reichsbahn-Ausbes-
           serungswerk (heute Motorworld) in Frei-
           mann an der Lilienthalallee gearbeitet.
           Deshalb befindet sich dort seit 1935 – ge-
           genüber dem heutigen MOC – ein Gedenk-
           stein mit seinem Konterfei, der heute unter
           Denkmalschutz steht und die militaristi-
           sche Aufschrift trägt: „Alfred Drexel fiel im
           Kampf um den Nanga Parbat am 8. Juni
           1934. Ihm folgten in den Tod im Juli 1934
           seine Kameraden Willi Merkel, Willi Welzen-
           bach, Ulrich Wieland mit 6 Darjeeling-
           Trägern Gay Lay, Dakshi, Pinzo Nurbu,
           Nima Dorje, Nima Nurbu, Nima Tashi.“

                                             Nanga Parbat, die aber nur der Erkundung   und gilt als einer der gefährlichsten Berge
           Deutsche Bergsteiger              diente. Da während der Rückreise der   überhaupt. Der Nanga Parbat galt – warum
           im höheren Auftrag                  Bergsteiger der Zweite Weltkrieg ausbrach,   auch immer – als „deutscher“ Gipfel im
                                             wurden die Teilnehmer, darunter  Heinrich     Himalaja neben dem „britischen“ Mount
           Die sechs verunglückten Träger stammten   Harrer (1912–2006), als feindliche Auslän-  Everest, dem „italienischen“ K2 und der
           aus Darjeeling, einer indischen Provinz im   der interniert, weil sie sich in Indien und   „französischen“ Annapurna. Die deutschen
           hohen Norden des Landes im Himalaja-Ge-  damit auf britisch kontrolliertem Territori-  Anstrengungen konzentrierten sich daher
           birge. Sie hätten im rassistischen Deutsch-  um befanden. Der SS-Mann Harrer leitete   damals auf den am westlichsten gelegene
           land der damaligen Zeit wohl kaum ihre –   die Expedition, sein oberster Chef, Bewun-  Achttausender – den Nanga Parbat. In den
           sogar namentliche – Erwähnung gefunden,   derer und Förderer, der SS-Führer Heinrich   1930er-Jahren fiel ein Großteil der deut-
           wenn da nicht in den braunen Köpfen eine   Himmler (1900–1945), unterstützte die   schen Himalaja-Bergsteigerelite dem Berg
           verrückte Wahnvorstellung rumort hätte:     Unternehmung. Harrer, inzwischen zu ei-  zum Opfer. Der Nanga Parbat ging kriege-
           Auf der Suche nach den Ursprüngen einer   nem der Erzieher und persönlichen Freunde   risch als „Schicksalsberg der Deutschen“ in
           arischen, allen anderen Völkerschaften   des Dalai Lama aufgestiegen und sich so in   die Geschichte, das nationale Bewusstsein
           überlegenen Menschheit glaubten die An-  unmittelbarer Nähe zum Oberhaupt der   und auch die Schulbücher ein und sorgte
           hänger des seit Langem grassierenden wei-  arisch vereinnahmten Tibeter befindend,   für aufwallende patriotische Gefühle. Berg-
           ßen Rassismus, auf dem „Dach der Welt“,   gelangte schließlich 1952 in seine Heimat   steigen galt damals in weiten Kreisen als
           nämlich Tibet, zu ihrer Zufriedenheit fün-  Österreich zurück.      kriegerische Handlung gegen die Natur und
           dig werden zu können. Die Expedition des                            ihre Gewalten, hinzu kam noch der natio-
           Jahres 1934 sollte den Weg nach Norden,                             nalistische Aspekt, Bergsteigern aus ande-
           nämlich nach Tibet, bahnen. Weitere Expe-  Der Nanga Parbat         ren Ländern zuvorzukommen und sie zu
           ditionen 1937 und 1938 scheiterten eben-                            übertrumpfen. Die Unglücksfälle hatten zur
           falls  und forderten zahlreiche Todesopfer.   Der Nanga Parbat im pakistanischen Teil   Folge, dass der Nanga Parbat im Deutschen
           Im Sommer 1939 schließlich erfolgte eine   des Himalaja ist mit seinen 8.125 Metern   Reich zum „Schicksalsberg der Deutschen“
           deutsch-österreichische Expedition zum   Höhe die neunthöchste Erhebung der Erde   hochstilisiert wurde.




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