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Taxikurier November 2025Seite 20
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BERICHT AUS DEM AUFSICHTSRAT
DIE LAGE IST ERNST
Liebe Mitglieder der Taxi-München eG,
unser Gewerbe steht an einem Wendepunkt. Die Lage ist ernst Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung im Miet-
und verlangt von uns allen klare Entscheidungen und gemein- wagensektor die Situation zusätzlich.
sames Handeln. Das Münchner Taxigewerbe befindet sich mit-
ten in einer der tiefgreifendsten Umbruchsphasen seiner Die Folge ist ein Markt, der ehrliche Unternehmer zunehmend
Geschichte. Hohe Betriebskosten, ein aggressiver Wettbewerb benachteiligt und wirtschaftlich an ihre Grenzen bringt.
durch internationale Plattformen, politische Beschlüsse mit
großen Folgen und ein rasant veränderter Mobilitätsmarkt Doch wir dürfen die Verantwortung nicht nur bei Politik und
stellen uns vor gewaltige Aufgaben. Zahlreiche Unternehmen Behörden suchen. Auch in unseren eigenen Reihen müssen wir
stehen wirtschaftlich unter Druck oder mussten bereits aufge- Missstände ansprechen.
ben. Jetzt geht es nicht mehr um Detailfragen, sondern um
die Zukunft unseres gesamten Berufsstandes. Immer wieder kommt es vor, dass an Standplätzen Pauschalpreise
angeboten oder während der Wiesn überhöhte Tarife verlangt
Umso wichtiger ist es mir, Sie nun umfassend zu informieren und werden, obwohl dieses Vorgehen klar in der TTO untersagt ist.
Ihnen mit diesem Bericht einen klaren Überblick über die aktuel- Solche Praktiken schaden nicht nur dem Ansehen einzelner
le Situation, die bestehenden Herausforderungen und unsere Betriebe, sondern untergraben das Vertrauen in das gesamte Taxi
Chancen für die Zukunft zu geben. Gewerbe. Wer Vertrauen verliert, gewinnt es nur schwer zurück.
Qualität, Fairness und Verlässlichkeit sind die Basis für unseren
Diesen Bericht reiche ich heute mit Nachdruck nach, um offen langfristigen Erfolg.
darzulegen, wo wir stehen, welche Gefahren bestehen und wel-
che Chancen wir nutzen können. Zwar wurden im Juni 2022 die Taxitarife angepasst, um einen
Teil der Kostensteigerungen auszugleichen, doch das allein reicht
Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe ist angespannt. Kosten nicht aus. Wir müssen dringend bei der Digitalisierung aufholen.
für Kraftstoff, Personal, Versicherungen und Fahrzeuge steigen
seit Jahren stetig an. Gleichzeitig haben wir es mit Mitbewer- Kunden erwarten heute schnelle, einfache und moderne Bu-
bern zu tun, die sich nicht an die gleichen Regeln halten. Anbie- chungsmöglichkeiten. Hier dürfen wir das Feld nicht länger allein
ter wie Uber oder Bolt agieren mit Preisdumping und umgehen den Plattformen überlassen.
gezielt gesetzliche Vorgaben. Sie verzerren damit nicht nur die
Markt mechanismen, sondern verändern auch die Erwartungen der Mit gemeinsamer Kraft und der Bereitschaft, neue Wege zu ge-
Fahrgäste. Spontane Buchung per App, flexible Preise und digita- hen, können wir auch in diesem Bereich wieder konkurrenzfähig
le Dienste gelten heute als selbstverständlich. werden. Gleichzeitig ist auch die Politik gefordert. Die Entschei-
dung der Stadt München, auf ein Mindestbeförderungsentgelt zu
Diese Entwicklungen haben zu einer Krise geführt, die unser verzichten, war ein schwerwiegender Fehler. Sie stärkt internati-
Gewerbe in seinen Grundfesten erschüttert. Viele Unternehmen onale Konzerne und gefährdet gleichzeitig etwa 6000 sozialversi-
schreiben Verluste, einige haben bereits aufgegeben. Das soge- cherungspflichtige Arbeitsplätze. Unser Gewerbe zählt zu den
nannte „Taxisterben“ schreitet schneller voran, als es selbst zehn größten Arbeitgebern dieser Stadt.
Experten erwartet hätten.
Während in Essen der Mut bestand, faire Rahmenbedingungen
Ohne verbindliche Mindestbeförderungsentgelte ist ein fairer zu schaffen und Mindestpreise einzuführen, hat man sich hier
Wettbewerb nicht möglich. Gleichzeitig verschärfen organisierter bewusst dagegen entschieden.
20 ⁄ TAXIKURIER ⁄ NOVEMBER 2025