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Taxikurier Februar und März 2026Seite 29
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Masken viele wohlgewählte zu finden. Ich
stellte mir unter Redoute, als ich noch ein
Knabe war und davon sprechen hörte, im-
mer einen Maskenball vor. Aber da war’s
ganz anders. Ich habe, wie ich Ihnen schon
sagte, eine einzige Tochter, für deren mora-
lische und physische Wohlfahrt ich denn
innigst besorgt bin. Ich halte Bewegung
für das heilsamste Mittel, ihre Gesundheit
zu erhalten, und den Tanz für eine gesun-
de, angenehme Bewegung, die auf den Kör-
per und die Seele den wohltätigsten Ein-
fluss hat. Aber erlauben Sie mir eine kleine
Schilderung von der Bewegung, die man
auf der Redoute Tanz nennt.“
Die Redoute
„Jetzt erinnerte ich mich sogleich, dass
dieser Karneval ein Überbleibsel des römi- welches ich seit dem Jahre 1796 für meine Heer über Stoppel und Gräben den Tanzsaal
schen Bacchanten-Festes ist: Denn sie ge- Tochter hielt, worin die Schädlichkeit und hinauf? Und zappeln sich nicht die Leute
bärdeten sich alle, als wollten sie toll und Unsittlichkeit dieses Tanzes mit den aller- und die Frauenzimmer ab, wie – es ist gar
rasend werden und als hätten sie alle zu lebhaftesten Farben geschildert wird. Ich nicht zu sagen wie. Ich wette darauf und
viel vom Rebsaft bekommen. Den einen habe mir diesen Hops doch nie so vorge- ich hab’s auch gelesen, dass seit der Ein-
dieser Tänze nennen sie Langaus-Tanzen, stellt, wie ich ihn gefunden. Es sind die führung dieses Tanzes die Sterblichkeit der
welches darin besteht, dass der Tänzer sei- lächerlichsten tollen Bocksprünge und mich Jugend sich vermehre, dass kein Karneval
wundert, wie sich das vorüberging, ohne mehreren jungen Leuten
Frauenzimmer dabei das Leben gekostet zu haben. Meine Au-
so ärgerlich herumhu- guste hatte das Glück oder vielmehr das
deln und herumreißen Unglück, mit zwei Frauenzimmern bekannt
lassen kann. Ich hatte zu werden, wovon ihr eines selbst einge-
dabei das Vergnügen, stand, dass es im verflossenen Jahre so
von meiner Tochter zu rasend dieses Langausfahren und diesen
hören, dass ihr dieser Hops mitgemacht, dass es beinahe eine
Hokuspokus ganz und Lungenentzündung davongetragen, und das
gar nicht gefiel. Ich andere Frauenzimmer hüstelte und – dass
hätte ihr gewiss ein es Gott erbarme! – tanzte doch rasend
neues Kleid schaffen mit!“
müssen, denn wäh-
rend wir darüber spra-
chen, schleppte schon Fazit
ein Frauenzimmer ei-
nen ellenlangen Fet- Für den Seelenfrieden des schockierten
zen von ihrem Kleide Über-Vaters wäre es wohl besser gewesen,
nach.“ nicht zu wissen, was seine Tochter alles so
trieb, auch, weil er es sowieso nicht hätte
ändern können. In diesem Zusammenhang
ne Tänzerin von einer Ecke des Saales mit Wahnsinn mit Methode sei auf eine Erkenntnis des Dichters Hein-
zwei entsetzlichen Riesenschritten bis zur rich Heine (1797–1856, Heinrich-Heine-
anderen Ecke mit fortreißt und, sooft er Augustes Vater musste sich ernsthafte Sor- Straße von 1956) aus dem Jahr 1851 ver-
wieder Raum findet, das Nämliche wieder- gen um das Wohl und Wehe der Jugend ma- wiesen:
holt. Dieses geschieht mit so einer Raserei, chen: „Ist es wohl bei solchen Tänzen
dass man glauben sollte, es würde bei dem möglich, sowohl die Tanzenden als auch „Und eine Blonde müsst es sein,
Ende des Tanzes das Ende der Welt erfol- die Zuseher dabei vor manchen unliebsa- Die Augen sanft wie Sonnenschein.
gen. Als ich meine Verwunderung über die- men Rippenstößen und unhöflichen Ellen- Denn schlecht bekommen mir am Ende
se Bacchanten-Wut äußerte, lachte man bogen zu sichern? Und wenn man auch Die wild brünetten Sonnenbrände.
mir ins Gesicht. Ein anderer von diesen Fu- kein strenger Sittenrichter sein will, ver- Das junge Volk voll Lebenskraft,
rientänzen ist der Hops. Dieser kann Ihnen trägt sich das Fahren, Toben, Springen, Will den Tumult der Leidenschaft.
aber schon aus einem sehr schönen und Wüten wohl mit dem weiblichen Wohlstan- Das ist ein Rasen, Schwören, Poltern
heilsamen Aufsatz bekannt sein, welchen de? Ist es nicht, als jage das ganze Nacht- Und wechselseitges Seelenfoltern!“
ich in einem Heft des Damenjournals las, gejaid mit einem Male wie das wütende
FEBRUAR ⁄ MÄRZ 2026 ⁄ TAXIKURIER ⁄ 29