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Taxikurier August und September 2026Seite 14
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Gleichzeitig wurde in Bamberg nicht ver- die weit über eine gewöhnliche Beförde- Klinikseite zeitaufwendige Telefongesprä-
schwiegen, dass auch das österreichische rungsleistung hinausgeht. che und manuelle Dokumentationen. Für
Modell nicht alle wirtschaftlichen Probleme Krankenhäuser und Einrichtungen kann das
gelöst hat. Einheitliche Regeln allein Gleichzeitig ist dieser Bereich wirtschaft- eine erhebliche Entlastung bedeuten. Für
garantieren noch keine auskömmlichen lich und rechtlich anspruchsvoll. Die Vergü- Taxi- und Mietwagenunternehmen eröffnet
Preise, keine stabile Nachfrage und keine tung muss auskömmlich sein, die Abrech- es die Chance, stärker in digitale Prozesse
wirtschaftliche Sicherheit. Dennoch bewer- nung funktionieren, die Anforderungen der eingebunden zu werden. Gerade im Bereich
ten viele Unternehmer in Österreich die Kostenträger müssen erfüllt werden, und der Entlassfahrten, planbaren Patientenbe-
Reform positiv, weil sie gleiche rechtliche die Abgrenzung zu anderen Transportfor- förderungen und wiederkehrenden Fahrten
Ausgangsbedingungen geschaffen hat. men muss klar bleiben. Wenn Entgelte dau- können digitale Schnittstellen Abläufe
erhaft zu niedrig angesetzt werden, gera- beschleunigen und Fehler reduzieren.
Im Anschluss beleuchtete Thomas Grätz, ten Betriebe unter Druck. Am Ende leidet
Kommentator des Personenbeförderungs- nicht nur das Gewerbe, sondern auch die Stephen Schuberth, Geschäftsführer des
gesetzes und Verbandssyndikus, die Frage, Versorgung der Patientinnen und Patienten. GVN, stellte das Produkt anschaulich und
ob ein vergleichbares Modell auch in praxisnah vor. Deutlich wurde: Die Zukunft
Deutschland möglich wäre. Seine Einschät- Rechtsanwalt Thomas Grätz stellte die Ent- der Krankenfahrten wird nicht allein über
zung fiel differenziert aus: Ein Einheits- wicklung der Beförderungsentgelte und Preise und Verträge entschieden, sondern
gewerbe Taxi/Mietwagen wäre grundsätz- Sondervereinbarungen nach § 51 PBefG dar auch über technische Anschlussfähigkeit.
lich denkbar. Der Teufel liegt jedoch im und ordnete aktuelle Entscheidungen baye- Wer künftig an digitalen Klinikprozessen
Detail. rischer Verwaltungsgerichte ein. Anschlie- teilnehmen will, muss in der Lage sein, Auf-
ßend berichtete Jens Marggraf über die träge strukturiert zu empfangen, zu bearbei-
Für Deutschland wären zahlreiche Fragen zu Auseinandersetzungen mit der DAK in Hes- ten, zu dokumentieren und abzurechnen.
klären: Welche Pflichten würden für alle sen und warnte vor den Folgen dauerhaft
gelten? Wie würde die Tarifbindung ausge- nicht auskömmlicher Vergütungen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt „Elite
staltet? Welche Rolle hätten Betriebs- Connects“. Auch diese Plattform zielt dar-
pflicht, Beförderungspflicht und Rückkehr- Ergänzt wurde der Themenblock durch ei- auf ab, nicht nur einzelne Patientenfahr-
pflicht? Wie würden Genehmigungszahlen, nen Vortrag von Rechtsanwältin Rena Spie- ten, sondern größere Teile der Kranken-
Standplatzrechte und Plattformmodelle gelstein und Mansour Nezhat zum nicht- hauslogistik digital abzubilden. Beide
eingeordnet? Und wie ließe sich verhin- qualifizierten Krankentransport und zu den Projekte zeigen, dass digitale Schnittstel-
dern, dass eine Vereinheitlichung am Ende Erfahrungen des Fahrdienstverbandes Süd. len zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit
zu einer Absenkung bewährter Taxistan- Dabei ging es insbesondere um die zuneh- entscheiden werden.
dards führt? Der Think Tank lieferte darauf mende Abgrenzung zwischen Krankenfahr-
keine abschließenden Antworten. Aber ten, Fahrdiensten und medizinischem
er zeigte, dass diese Diskussion geführt Transport. Auch schwierige Verhandlungen Gemeinsam stärker werden
werden muss. mit Kostenträgern wurden thematisiert.
Dieser Teil der Veranstaltung machte deut- Zum Abschluss der Veranstaltung stellte
lich: Die Patientenbeförderung bleibt ein Christian Linz die Initiative „Vereinigte
Krankenfahrten bleiben Kernbereich des Gewerbes. Sie ist wirt- Fahrdienste“ vor. Unter diesem Arbeitstitel
wirtschaftliches Rückgrat schaftlich bedeutsam, gesellschaftlich soll eine engere Zusammenarbeit und Ver-
notwendig und politisch sensibel. Gerade netzung zwischen Zentralen, Leistungser-
Der zweite Veranstaltungstag stand stark deshalb braucht sie klare Regeln, verläss- bringern, Verbänden und weiteren Akteuren
im Zeichen der Patientenbeförderung. Für liche Verträge und faire Vergütungen. der Branche auf den Weg gebracht werden.
viele Taxi- und Mietwagenbetriebe, insbe- Der Ansatz ist ebenso einfach wie notwen-
sondere in Flächenkommunen, kleineren dig: Viele Herausforderungen lassen sich
Städten und ländlichen Regionen, sind Digitale Vernetzung nicht mehr allein durch einzelne Unterneh-
Krankenfahrten ein unverzichtbarer Be- im Gesundheitsbereich mer oder einzelne Verbände lösen. Plattfor-
standteil des Geschäftsmodells. mökonomie, Digitalisierung, Kostendruck
Neben rechtlichen und wirtschaftlichen und komplexe Verhandlungen mit Kranken-
Krankenfahrten sichern nicht nur Umsätze. Fragen rückte auch die digitale Vernetzung kassen verlangen nach gemeinsamer Hand-
Sie erfüllen auch eine wichtige Versor- der Gesundheitsbranche in den Mittel- lungsfähigkeit. Gerade im Bereich der
gungsfunktion. Viele Patientinnen und Pa- punkt. Mit Smart Move wurde eine Platt- Patientenbeförderung kann eine stärkere
tienten sind darauf angewiesen, zuverlässig form vorgestellt, die Krankenhäuser, Vernetzung entscheidend sein. Wenn Leis-
zu Arztterminen, Therapien, Dialysen, Reha-Einrichtungen und Taxiunternehmen tungserbringer vereinzelt auftreten, sind
Reha-Einrichtungen oder Krankenhäusern digital miteinander verbindet. Entlassfahr- ihre Verhandlungspositionen oft schwach.
gebracht zu werden. Das Taxi- und Mietwa- ten können über das System elektronisch Wenn sie dagegen abgestimmt handeln,
gengewerbe übernimmt hier eine Aufgabe, vergeben werden. Dadurch entfallen auf Erfahrungen austauschen, Daten bündeln
14 ⁄ TAXIKURIER ⁄ AUGUST ⁄ SEPTEMBER 2026